Mit KI Texte schreiben lassen? Besser nicht!

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Dank KI habe ich den Stift wiederentdeckt. Denn die Maschine erkennt recht zuverlässig mein Handgeschriebenes. Also schreibe ich jetzt meine Gedanken zu einem Artikel in ein digitales Notizheft.

Claude erstellt daraus einen Rohtext und greift dafür auf meine Brand Voice sowie Anti-AI-Schreibregeln zurück. Das Ergebnis ist nicht perfekt. Aber ich hab einen Entwurf, mit dem ich weiter arbeiten kann. Zeitersparnis: ein bis zwei Stunden Schreibarbeit. Kein Turbo, aber eine merkliche Hilfe. Und sie wird von Mal zu Mal besser.

Viele experimentieren gerade wie ich, wie sie KI sinnvoll in ihre Arbeitsprozesse integriert können. Was sich mir beim Herumprobieren zeigt: Komplett mit KI Texte schreiben lassen bringt nichts. Genauso wenig ist es sinnvoll, beim kreativen Arbeiten auf die neuen Möglichkeiten ganz zu verzichten. Wie so oft im Leben ist es der goldene Mittelweg, der die besten Ergebnisse liefert.

Vier Gründe, warum komplette KI-Texte scheitern

Die Debatte rund um den Einsatz von KI im kreativen Prozess ist sehr Effizienzgetrieben. Klar, ist ja auch verlockend: Ein Prompt, ein paar Kontext-Dateien und in wenigen Minuten entsteht ein kompletter Beitrag.

Es gibt allerdings wichtige Gründe, die stark gegen diese Versuchung sprechen:

1. Kognitive Schulden beim Schreiben mit KI

In einer Studie des MIT Media Lab haben Probandinnen und Probanden über vier Monate hinweg Aufsätze geschrieben – die eine Gruppe mit ChatGPT, die zweite mit Hilfe der Google-Suche, die dritte ohne digitale Unterstützung. Während des Schreibens wurde die Gehirnaktivität gemessen. Dabei zeigte die ChatGPT-Gruppe durchweg schwächere neuronale Vernetzungen und eine schlechtere Gedächtnisleistung als die anderen Teilnehmenden.

Die Folge: Eine überwältigende Mehrheit von ihnen konnte keine korrekten Zitate aus ihren eigenen, wenige Minuten zuvor erstellten Essays reproduzieren. Gegen Ende der Studie neigten die Teilnehmenden zunehmend zum reinen Copy-Paste.

In der letzten Sitzung wurden die Rollen getauscht, sodass die ChatGPT-Gruppe nun ohne LLM einen Text schreiben musste. Überraschend war dabei, dass der Effekt der verminderten Leistungsfähigkeit weiter anhielt. Die Forscherinnen und Forscher nennen das Phänomen Akkumulation kognitiver Schulden„.

Auch wenn die Studie im Labor und nur mit wenigen Teilnehmenden durchgeführt wurde, stützt sie doch eine bekannte Erkenntnis aus der Lernpsychologie: Was nicht trainiert wird, baut ab. Anders gesagt: Wer das Schreiben komplett an die KI auslagert, verliert über die Zeit das Gespür für einen guten Text.

2. Leserinnen und Leser werten KI-Texte ab

Eine zweite Studie, 2025 veröffentlicht von der Content-Agentur Hookline&. Insgesamt 1.000 US-Amerikanerinnen und Amerikaner wurden zu KI-generierten Texten befragt. 82 Prozent gaben an, sie zumindest manchmal zu erkennen; bei den 22- bis 34-Jährigen sagten das 88 Prozent.

Für das Marketing ist das erstmal nicht weiter schlimm. Aufhorchen lässt aber eine weitere Erkenntnis: Vermuten Menschen einen KI-Text, dann bewerten vier von zehn die dahinter stehende Marke negativer. Nur jede zehnte Person sieht sie in einem positiveren Licht.

Mein Take: In Deutschland und Europa, wo die Begeisterung über neue Technologien nicht ganz so groß ist wie in den USA, fallen die Ergebnisse noch deutlicher aus.

Balkendiagramm: Wie Leserinnen und Leser auf KI-Texte reagieren — Erkennung und Wahrnehmung (Hookline&, 2025)

Christopher Walsh Sinka, CEO von Hookline&, fasst es so zusammen: Wer KI-Texte einsetzt, schleust sie nicht heimlich an den Lesenden vorbei. Sie fallen auf.

Zitat von Christopher Walsh Sinka, CEO Hookline&: Writers and brands arent sneaking AI-generated content past readers.

Für B2B-Marketing ist das eine wichtige Botschaft. Denn Vertrauen ist die Währung, in der bezahlt wird. Es ist deutlich wichtiger, als ein paar Stunden Schreibzeit zu sparen.

3. KI zitiert ungern KI

Sprachmodelle greifen für ihre Antworten vor allem auf Inhalte mit Substanz zurück. Erfahrungswerte, Studien, Meinungen, Expertenwissen. Storytelling. Kurz: Unique Content.

Wer Standardware ohne eigene Impulse veröffentlicht, hat nichts, was die Maschine zitierfähig findet. Sichtbarkeit in KI-Antworten? Fehlanzeige. Der Text landet im Internet-Nirvana. Dafür ist selbst die kurze Zeit zu schade, die ein rein KI-generierter Text benötigt.

4. Halluzinationen als Reputationsrisiko

Klassische Schreibfehler erkennt man meist sofort. KI-Halluzinationen sind anders. Sie fallen auf den ersten Blick nicht auf: plausibel klingende Statistiken, vertrauenswürdige Quellen, logisch wirkende Argumentationsketten. Erst beim genauen Hinschauen wird der Schmu offensichtlich.

Das ist im B2B-Bereich besonders heikel. Denn wer eine Information oder Quelle aus der KI-Recherche übernimmt, ohne sie zu prüfen, riskiert Glaubwürdigkeit.

Qualität schlägt Effizienz

Wer keinen KI-Slop produzieren will, braucht für die Entwicklung der Inhalte, das Prüfen und das Umarbeiten so viel Zeit, dass die gehofften Effizienzgewinne aufgefressen werden. Beim Schreiben mit KI geht es deshalb nicht um Schnelligkeit. Im Fokus steht vielmehr das Thema Qualität.

Um diese zu steigern, habe ich in meinen Arbeitsprozessen vier Bereiche definiert, in denen KI so gut wie immer zum Einsatz kommt:

KI als Rechercheinstrument

Perplexity ist das Tool meiner Wahl, wenn es um Recherche geht. Die KI liefert mir in Sekunden eine Antwort auf meine spezifische Frage. Allerdings halluziniert auch sie manchmal.

Egal, denn die vom LLM genutzten Quellen sind für mich der eigentliche Schatz. Darunter sind englische Fachseiten, Studien, Reddit-Threads, LinkedIn-Beiträge – Material also, auf das ich über die klassische Google-Suche nicht so schnell gestoßen wäre.

KI für den Vier-Augen-Check

Diese Funktion hat bei mir sogar einen Namen: Ruth. Der Agent schaut mit unerbittlicher Präzision auf meine fertigen Texte. Rechtschreibfehler, Passivkonstruktionen, krumme Formulierungen – er beziehungsweise sie findet alles.

KI zum Sparring

Diese Funktion hält unbequeme Wahrheiten bereit. Gerade deswegen ist sie so wertvoll.

Denn KI nimmt hier die Position der Zielgruppe ein. Ist das Thema für sie relevant? Welche Informationen fehlen? Welche Gegenargumente würden Leserinnen und Leser aufbringen? Welche Stellen sind unverständlich?

Ein Text, der in meinen Augen fertig ist, fällt mit den Antworten schnell zurück in den Draft-Status. Und das aus guten Gründen.

KI als Headline-Schmiede

Jede Texterin und jeder Texter kennt es: Die zündende Idee für den Titel will einfach nicht kommen. Mit KI lässt sich dieses Leere-Blatt-Problem umgehen.

Mein Vorgehen: Zehn Überschriften generieren lassen, die drei besten herausziehen und auf dieser Basis zehn neue erstellen. Die perfekte Headline ist nie dabei. Aber immer eine Idee, an der sich weiterarbeiten lässt.

Schreiben ist mehr als Formulieren

Bei der Debatte um den Einsatz von KI im Schreibprozess zeigt sich, dass es dabei eben nicht nur um das gekonnte aneinanderreihen von Wörtern geht. Schreiben ist ein Denkprozess. Argumentationslücken werden sichtbar, neue Verbindungen tauchen auf, Gedanken werden weiterentwickelt. Wer KI diese Aufgabe überlässt, stumpft ab.

Damit ich nicht in diesen Effizienz-Abstumpfung-Strudel gerate, habe ich mir drei goldene Regeln bei der Zusammenarbeit mit KI auferlegt:

  1. Ich lasse mir keine Textstruktur vorgeben.
  2. Der erste Textentwurf stammt immer von mir.
  3. Wann ein Text final ist, entscheide ich.

Es dauert länger, macht mehr Mühe und ist doch so viel befriedigender. Du liest es, ich lese es. Dafür greife ich gerne wieder zum Stift.

Hi, ich bin Julius!

Irgendwas mit Medien war nie mein Ding. Ich wollte immer Schreiben. Das tat ich zunächst für renommierte Redaktionen, in der Kommunikation eines DAX-Konzerns und bei einer weltweit tätigen Agentur. Mittlerweile arbeite ich freiberuflich für Tech- und IT-Unternehmen.

In diesem Blog dreht sich daher alles um das geschriebene Wort und Strategien im B2B-Content-Marketing. 

Du hast Lust auf Austausch? Dann lass uns auf LinkedIn vernetzen. Oder buche dir gleich dein kostenloses Content-Audit. Ich freu mich drauf!